Der Hamburg-
paradies-Blog
ist ein Kind vom

Info
Von links nach rechts: Jörg Marwedel, Björn Schierenbeck, David Philipp, Ralf Lorenzen, Giovanna Hoffmann, Manuel Mbom, Tobias Süveges, Thomas Horsch | Foto: werder.de

Ohne Mama läuft meist nichts

Erfahrungen einer Fußball-Mutter / Abwerbung im großen Stil / Rückblicke auf die Diskussionen beim FC St. Pauli, SV Werder Bremen und in Stade

von Ralf Lorenzen

Kategorien:

„Lieber Ralf Lorenzen & Jörg Marwedel, ich habe Ihr Buch gelesen und ich gratuliere zu dem kompakten, informativen und kurzweiligen Werk. Wer sich mit dem Jugendfußball beschäftigt, erhält einen guten Ein- und Überblick über die momentane Situation. Sehr gefreut habe ich mich über Ihre „Denkanstöße“ zur Zukunft der Nachwuchsförderung, die ich alle so unterschreibe. Mal schauen, was der DFB davon umsetzen kann und wird. Als ich Ihren Klappentext las und erfuhr, dass auch Eltern zu Wort kommen, war ich sehr gespannt.

Leider vermisse ich die Sicht einer Mutter auf den Sport ihres Sohnes/ihrer Tochter. Denn gerade sie sind es oft, die den Sport und die damit verbundene Organisation von Familie, Fahrdienst und Verknüpfung von Schule und Fußball, etc. erst möglich machen. Und viele Fußballer wären nicht so weit gekommen, wenn Mama nicht viel Zeit geopfert hätte bzw. opfern würde...

Ich sage das so leidenschaftlich, weil ich eine von ihnen bin ... Mein Sohn spielt seit 11 Jahren Fußball, mittlerweile in der A-Jugendbundesliga. Ich war nie Fan dieses Ballsports, bin durch ihn in den Fußballkosmos eingestiegen. Und habe über die Jahre viel erlebt, erfahren, kennengelernt, was mich bis heute staunen lässt, was ich unterhaltsam finde, worüber ich ungläubig den Kopf schüttle ...

Seit April schreibe ich in meinen Blog „INS NETZ GEGANGEN - JUGENDFUSSBALL VS. SCHULE, FAMILIENLEBEN UND ANDERE HERAUSFORDERUNGEN“ wöchentlich über meine Erlebnisse, gebe Einblick auf meine Sicht der Dinge.“

Ein Blick in den Blog http://ins-netz-gegangen.info zeigt, dass Susanne Amar nicht zu viel versprochen hat. Aus nächster Nähe, aber doch kritisch reflektiert, gibt der Blog Einblicke in den Jugendfußball, die man so noch nicht bekommen hat. Obwohl sie von Alltagserlebnissen ausgeht, liefert die Autorin alles andere als eine Nabelschau, sondern entwickelt Fragestellungen, die für die Lebenssituation junger Talente und ihrer Familien wichtig sind, aber im sonstigen Getriebe zu kurz kommen. Und sie gibt – neben zahlreichen weiterführenden Informationen – auch Antworten. Unaufdringlich, aber kompetent, anschaulich und klar positioniert, ordnet sie ihre täglichen Erfahrungen in die große Fußballwelt ein. Beispiel gefällig?

Unter dem Titel „Wie Niederlagen und Erfolg zusammenhängen“ beschreibt die Autorin Reaktionen auf die jüngsten Finalniederlagen von Borussia Dortmund und Atletico Madrid, zitiert einen Motivationsexperten und nimmt schließlich die Perspektive junger Fußballer ein:

„Der Siebenjährige, der gefrustet ist, dass er ausgewechselt wird und nicht durchspielen darf? Der Kicker aus der U14, der gerade im Probetraining nicht überzeugen konnte? Die Spielerin aus der C-Jugend, die den Elfmeter verschießt? Oder der Torwart, der das entscheidende Tor nicht halten kann?

Die sind fertig mit der Welt. Die wollen keine Erklärungen und vor allem keine Sprüche wie „Blöd gelaufen, aber um Erfolg zu haben, gehören solche Misserfolge zum Leben…“
Als Mutter sehe ich mich in der Rolle derjenigen, die sich auf meinen Sohn einlässt und schaut, was er braucht. Die Schulter zum Ausheulen, die kurze Umarmung als Signal „ich bin da“, das Zusammensein ohne reden zu müssen oder das Gespräch? Ich weiß es nicht, denn jede Situation bedarf ihres eigenen Umgangs. Ich muss aber auch aushalten können, wenn er nichts von alle dem möchte und einfach alleine sein will. Mich nicht braucht…

Als Sportler sind die zahlreichen Competition der Gradmesser von Erfolg und Niederlage. Im normalen Leben bestreiten wir viele, kleine „Kämpfe“ mit uns selbst, mit unserer Umwelt, die uns Höhen und Tiefen erleben lassen. Wir können sie nicht ändern, wir können lernen mit ihnen umzugehen. Sie setzten Energien und Impulse frei. Die Reife sich mit diesen Momenten auseinanderzusetzen und herauszufinden, wie sie mir für das nächste Mal oder auf meinem Weg zum Ziel helfen können, ist für jeden individuell und braucht Zeit.“ Den kompletten Beitrag finden Sie hier.

Ein Interview mit Susanne Amar folgt in den nächsten Wochen.

Eine weitere Anregung, der wir demnächst nachgehen möchten, gab eine Trainerin nach der Podiumsdiskussion zu unserem Buch in Stade. Frustriert berichtete sie davon, wie die neugebildeten Jugendfördervereine in der Region, in denen sich die Jugendabteilungen mehrerer Klubs zusammengeschlossen haben, bei kleinen, eigenständigen Vereinen, im großen Stil Spieler abwerben. Und zwar wesentlich mehr, als dann tatsächlich Platz in den neuen Mannschaften finden. „Diejenigen, die durchs Sieb fallen, kommen dann meistens nicht zu uns zurück, sondern hören ganz auf“, sagte die Trainerin, mit der wir uns demnächst ausführlicher über diese Thematik unterhalten wollen.

Ausführliche Rückblicke auf unsere Diskussionsrunden zum Buch beim FC St. Pauli und Werder Bremen finden sich auf den Homepages der Klubs. Dort heißt es unter anderem:

„Trotz des guten Wetters fanden sich über 50 Interessierte am Montagabend (9.5.) ins Clubheim des FC St. Pauli zur Vorstellung des Buches „Die Zukunft des Fußballs“ mit anschließender Diskussionsrunde ein. Als Gäste waren Alexander Eick (organisatorischer Leiter NLZ), Kiezkicker Jan-Philipp Kalla, U23-Co-Trainer Fabian Boll und U17-Spieler Jakob Münzner geladen. Außerdem nahmen die Autoren des Buches Jörg Marwedel und Ralf Lorenzen an der Runde teil.“

Und die Werder-Pressestelle fasst die Diskussion hier zusammen. Ein kleiner Auszug:

„Manchmal gibt man sich im Training schon eine mit.“ Mit dieser Aussage hatte Werder-Talent David Philipp den Lacher des Abends auf seiner Seite. Sowohl der U 16-Akteur als auch Manuel Mbom aus der Werder U 17 und Giovanna Hoffmann aus der 1. Frauenmannschaft waren gestern bei der Podiumsdiskussion „Der lange Weg zum Fußball-Profi“ zu Gast. Unterstützt wurden sie durch Björn Schierenbeck, Direktor Leistungszentrum, und Nachwuchs-Scout Tobias Süveges.

Neben den grün-weißen Vereinsvertretern begrüßte Moderator Ralf Lorenzen den DFB-Stützpunktkoordinator Thomas Horsch und Journalist Ralf Marwedel an der vom Fanprojekt Bremen organisierten Veranstaltung im Ostkurvensaal. Bei der knapp zweistündigen Diskussion sprachen die Teilnehmer unter anderem über das Leben im Internat, den Leistungsdruck junger Spieler sowie die aktuelle Situation im Nachwuchsfußball. „Heute Abend wurden viele verschiedene Themenbereiche des Nachwuchsfußballs angesprochen und die Vielfältigkeit dieses Bereichs dargestellt. Durch die unterschiedlichen Interessenvertreter wie Verband, Verein oder Spieler, hoffe ich, dass wir ein größeres Verständnis für die einzelnen Positionen schaffen konnten“, resümiert Björn Schierenbeck.“

Auch das Stader Tageblatt hat die dortige Diskussion in der schönen Seminarturnhalle (u.a. mit Werder Profi Marnon Busch) mit einem ausführlichen Artikel gewürdigt (der leider online nur Abonnenten zur Verfügung steht; RL).

Am kommenden Montag sind wir nun in der Fankneipe „Nordkurve“ neben dem Stadion bei Hannover 96 mit einer weiteren sehr illustren Runde zu Gast. Mehr dazu lesen Sie beim Klick auf unser Plakat.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

(beginnend mit http://, optional)